Peter Wolf
«Im Web existiert keine Altpapiersammlung»
Texte kursieren oft jahrelang im Internet, das Web vergisst keine Tippfehler. Multimedia-Experte Peter Wolf erklärt, auf welche Regeln Digital Publisher nebst den Grammatikregeln achten müssen.
Text Akademie: Sie sind Experte im Studiengang CAS Digital Publisher. Wie unterscheiden sich die Texte für Social-Media-Plattformen wie Twitter, Facebook usw. gegenüber den Texten für Printmedien?
Peter Wolf: Texte für die Printmedien müssen bezüglich des Themas umfassend sein. Im Gegensatz dazu können Texte für digitale Medien einzelne Aspekte eines Themas herausheben und durch Links auf andere Texte verweisen. Bezüglich der Qualität gibt es keine grossen Unterschiede. Dennoch sollten Texte fürs Internet lieber zweimal kontrolliert werden. Das Internet vergisst keinen Tippfehler! Es existiert keine Altpapiersammlung im Web. Wer nicht aufpasst, wird jahrelang mit seinen fehlerhaften Texten konfrontiert.
Text Akademie: Was ist für Sie bezüglich der Kommunikation in den Social Media besonders wichtig?
Peter Wolf: Transparenz, Tempo und Kanalkompetenz. Das heisst, der Publisher muss ehrlich kommunizieren und regelmässig aktuelle Beiträge veröffentlichen. Idealerweise einmal pro Tag. Und er muss wissen, für welche Kanäle er Beiträge produziert. Bei Twitter-Beiträgen – den Tweets – stehen nur die Botschaften im Sinne des Microblogging im Mittelpunkt. Bei Facebook-Posts bekommt die Botschaft noch ein Gesicht – das Nutzerprofil mit allen Bildern, Logos, Videoclips, Buddies und Kommentaren. Tweets haben daher eine andere Wirkung auf die Nutzer als Posts.
Text Akademie: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe, weshalb sich Kommunikationsfachleute im Digital Publishing weiterentwickeln, weiterbilden müssen?
Peter Wolf: Texter und Online-Redaktoren müssen die neuen Werkzeuge kennen, um sie möglichst effizient und nutzenstiftend einsetzen zu können. Die Sprache selbst ändert sich nicht gross, aber die Art und Weise, wie sie eingesetzt wird. Vor allem in Bezug auf die Geschwindigkeit und die Anforderungen an die Kanäle der Social Media.
Text Akademie: Im Studiengang drehen die Studierenden einen Corporate-Videoclip in Davos. Welche Möglichkeiten haben die Digital Publisher, die neuen Kenntnisse übers Storyboard-Schreiben, Filmen und Filmschneiden in ihrem Beruf anzuwenden?
Peter Wolf: Sie profitieren von ihren Erfahrungen in zweierlei Hinsicht: Einerseits haben sie gelernt, selbst ein Video von A bis Z zu erstellen – als Interview oder kurzen Corporate-Film. Sie überwinden alle Stolpersteine, Zeitüberschreitungen und Sachzwänge, mit denen ein Digital Publisher während der ganzen Produktion konfrontiert wird. Andererseits sind sie dank des Filmprojekts in Davos in der Lage, ein realistisches Briefing für einen externen Dienstleister zu erstellen. Falls sie die Filmarbeit nicht selbst übernehmen.
Text Akademie: Wie beeinflusst Ihrer Meinung nach der Studiengang die Ansichten übers Web 2.0?
Peter Wolf: Die Studierenden werden zukünftig wissen, wie sie mit dem Web 2.0 und allen seinen Besonderheiten umgehen müssen. Was das Web kann, was es nicht kann und wo die Tücken liegen. Den Umgang mit dem Web müssen sie üben, wenn sie darin professionell kommunizieren wollen. Nur durch eigene Erfahrungen und Erfolgserlebnisse lässt sich das neue Internet erfassen. Nicht umsonst heisst es auch das «Mitmach-Internet».
via Schweizerische Text Akademie: Interviews CAS Digital Publisher.


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